Glocken - vertraute Klänge - Heimatgefühl

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Der gotische Turm unserer Kirche aus dem 15. Jahrhundert beherbergt seit 1953 sechs Glocken. Auf jeder von ihnen ist eine Bitte aus dem «Unser Vater» eingraviert. Das Geläute ist auf die Töne G H d e fis a gestimmt und ist insgesamt 12 893 kg schwer. Dieses tiefe, schwere und somit weittragende Geläute kann in der ganzen weitläufigen Gemeinde gehört werden. Das katholische Geläute von Hinwil passt in seiner Tonfolge übrigens ausserordentlich gut dazu.

Glocken wecken Gefühle von Heimat und Feierlichkeit. Ihre kraftvolle und zugleich feine Stimme ruft die Zeit in Erinnerung und damit die Vergänglichkeit ins Bewusstsein. Ihr Sinn ist es, Menschen zusammen und zusammen vor Gott zu bringen. Glocken kündigen seit Jahrhunderten Gebetszeiten und ausserordentliche Ereignisse an. Sie sind ein Stück öffentlicher Kultur und erinnern uns immer wieder an unsere Wurzeln.

Gerade zum Jahreswechsel kann dies wieder einmal geschehen. Wir werden nicht durch den Güggel gerufen, wie dies Petrus widerfuhr nach dem Verrat gegenüber seinem Meister („Und sogleich krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da erinnerte sich Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben. Und er brach in Tränen aus.“ Markus 14,72), aber durch die Glocken unserer Kirchen. Nehmen wir uns Zeit, wenn der Ruf erklingt, um innezuhalten, für ein kurzes Gebet, alleine, zu zweit, wo immer wir den Ruf vernehmen.

Dazu passt ein Interview mit dem Hahn auf der katholischen Kirche (der mit Hilfe unserer Kirchgemeinde im ablaufenden Jahr neu vergoldet wurde):

Lieber Hahn, bist du katholisch oder reformiert?

Habt ihr keine wichtigere Frage für den Anfang. Wichtiger als die konfessionellen Unterschiede ist für mich Christus. An ihn möchte ich euch jeden Morgen erinnern.

Bist du nicht eifersüchtig auf den Turmhahn der reformierten Kirche, der seinen Platz viel weiter oben hat?

Nein, wir haben beide den gleichen Dienst, auf Christus hinzuweisen. Da spielt die Position keine Rolle. Wir sind keine Streithähne.

Manchmal denken die Leute deinetwegen, sie kämen in eine reformierte, nicht in eine katholische Kirche.

Da muss ich lächeln. Es ist doch gut, wenn die Leute zum Nachdenken gebracht werden und die konfessionellen Unterschiede nicht als gottgegeben annehmen.

Was möchtest du den Reformierten noch sagen?

Ich strahle wieder vor Gold wegen eurer Grosszügigkeit und der katholische Kirchgemeindepräsident strahlt vor Glück, da ihr die Kosten für mein Lifting übernommen habt. Manchmal tun die Leute soviel Gutes und es kräht kein Hahn danach. Ich aber schicke allen reformierten Hinwilern ein dankbares Kikeriki.

Fragen: Peter Vogt, Gemeindeleiter unserer Schwesterkirche

Von Herzen wünsche ich uns allen, dass wir den Ruf Gottes immer wieder hören dürfen. Dass der Ruf uns unsre Identität bewusst macht. Dass die Klänge nicht nur Worte bleiben, sondern praktisch unser Leben beeinflussen und uns stark machen für die Begegnung mit unserem Mitmenschen.

 

Rolf Gerber, Präsident der Kirchenpflege

 

Wussten Sie,

  • dass Sie hier das Glockengeläut auf Ihrem PC hören können?
  • dass bereits1898 bewusst ein Uhrwerk mir Doppelschlag gewählt wurde, damit jedermann beim 2. Schlag mitzählen kann (was auch im modernen Zeitalter weit herum sehr geschätzt wird)?